Kultivierung des Speisepilzes Stropharia rugoso-annulata

Es handelt sich um einen ausgezeichneten Speisepilz mit ganz besonderen Vorzügen: er ist nicht klebrig und lässt sich gut reinigen, er hat nie Maden, frisch aufgenommen riecht er nach Spargel und entwickelt zubereitet das begehrte Pilzaroma. Er behält eine gewisse Konsistenz und eignet sich für alle Zubereitungsmöglichkeiten.
Schon immer habe ich gerne Experimente unternommen, und da ich früher in Hornberg guten Erfolg mit diesem Pilz hatte, wollte ich versuchen, ihn auch hier auf La Palma zu kultivieren.
Während man in Deutschland für diesen guten Speisepilz nach dem idealen Zuchtsubstrat (u.a. Stroh verschiedener Getreidesorten) für bessere Ernten sucht, wollte ich - ganz im Gegenteil - einen Pilz für das hier zugängliche Substrat finden. Stroh gibt es hier kaum, da fast kein Getreideanbau. Aber wir haben jährlich 15 000 t pflanzlichen Abfall von Palmenbeschnitt, gekappten Bananenpflanzen, Park- und Pistensäuberung etc., ein Material, das mir vielversprechend erschien. Man nennt es hier ‘restos del jardin', Gartenreste.
Das Cabildo liess mir einen Lastwagen voll davon, durch etwa einjährige Lagerung schon angetrocknet, ins Gelände fahren, und mit Hilfe unseres Pilzvereins gingen wir gemeinsam an die Arbeit.

Wir verteilten das Substrat in etwa 30 - 40 cm dicker Schicht und legten eine ganz einfache Bewässerung darüber. Nach zwei Tagen feiner Bestäubung waren etwa 70% Feuchtigkeit im Pflanzmaterial erreicht, beim Zusammenquetschen trat Flüssigkeit aus.

Am 9. August wurde das Substrat beimpft, etwa 10 - 15 tief in einem Abstand um die 20 cm. Um, angepasst an unser kanarisches Klima mit viel Sonne, jede Vorgehensweise auf besonderen Erfolg zu prüfen, legte ich 12 Sektoren mit unterschiedlichen Bedingungen an: direkte Abdeckung mit Plastikfolie, um die Feuchtigkeit zu erhalten (wurde viel zu heiss darunter und musste weggenommen werden), Abdeckung mit Palmblättern, Erstellung eines Schattendachs, Abdeckung mit Erde, Beete mit Kiefernnadeln und auch Stroh, aber es sei gleich vorweg gesagt, dass den besten Ernteertrag das ganz einfach ausgebrachte Substrat brachte ohne jegliche gut gemeinte Verbesserung oder Schutzeinrichtung. Ich trieb ein Stück Plastikrohr bis auf den Grund in die Substratschicht und liess ein Thermometer am Faden hinunter. Tägliche Kontrolle ergab eine konstante Temperatur von 26º, Tag und Nacht und auch bei Wetterwechsel.

Am 18. September zeigte die Myzelprobe schon gute Ausbreitung. Da war ich aber froh, denn wie man im Foto sieht, war das Substrat ja recht wüst und ähnelte überhaupt nicht dem vom Pilz bevorzugten Stroh.
Dann kamen wir in die Regenzeit, und die Temperatur im Substrat sank zum Schluss bis auf 22º. Es fielen u.a. 20 liter Regen, dann 45 liter, 60 liter, 30 liter, 15 liter, insgesamt 549 liter, ohne irgendwelchen Schaden am Kulturbeet anzurichten.
Am 24. Oktober erschienen die ersten Pilzchen, und mir fiel ein Stein vom Herzen, zu sehen, dass tatsächlich der gute Speisepilz auf diesem Gartenabfall wuchs, und die teure Pilzbrut nicht vergeudet war.

Am 5. November konnte man schon von einer kleinen Ernte sprechen, und dann ging es erst richtig los.

Dicke Büschel mit grossen Exemplaren sprossen hervor. Bei trockenem Wetter blieben die Pilze hell und waren nicht so frisch-saftig, woraus ich lernte, dass auch während der Ernte bewässert werden muss, wenn kein Regen fällt. Auch gegen Ende November, bei Tagestemperaturen von 13º - 15º, wuchsen die Pilze üppig und gesund. Die erste Ernte brachte insgesamt 20 kg.
Und welch Wunder! Ohne unser Zutun erschienen im folgenden Frühsommer vom 4. April bis 12. Juli 45,5 kg des wunderbaren Pilzes auf dem einfachen Kulturbeet.
Sicher liessen sich diese Ernten fortsetzen, wenn immer mal wieder frisches Substrat aufgeschüttet würde, und die Pilze können auch auf das umgebende Gelände auswandern, aber durch unser fruchtbares Klima wuchsen dann auch Farne und Unkräuter so stark, dass das Interesse an dem Experiment nachliess, von dem man ja nun wusste, dass es optimal gelungen war.

Volvariella volvacea

Als Nebenerscheinung, ohne ausgebracht zu sein, erschien dieser Pilz, der in Ostasien als Speisepilz auf Reisstroh gezüchtet wird und für die Bevölkerung eine wichtige Ernährungsquelle darstellt. Er schmeckt gut, ich habe ihn gleich nach dem Fotografieren gegessen.