Heilpilze
In meinem Bauch tat sich was. Erst tat er nur weh, dann tat er sehr weh, später bekam ich Fieber. Und das auf La Palma. Am Ende der Welt.
Der Arzt stellte eine Entzündung fest. Was für eine war nicht sicher und auch nicht so wichtig. Entzündung ist Entzündung An dieser Stelle lag allerhand herum, was sich entzünden konnte.
Ähnlich war es mit der Behandlung: einfach Eis drauflegen, das hilft immer und hat kaum Nebeneffekte.
Nun war in meinem kleinen Gefrierfach nie so recht Platz für den Luxus von Eiswürfeln. Was ich aber reichlich an Tiefgefrorenem hatte, waren Pilze. Davon finden wir so viele auf der Insel, dass wir immer grössere Vorräte haltbar machen. Praktisch wie ich bin, friere ich die Pilze in handlichen Klarsichtbeuteln ein, und zwar plattgedrückt bis auf etwa Fingerstärke. Dann kann ich bei Bedarf durch einen kräftigen Schlag auch kleine Portionen für Sauceneinlage o.ä. abnehmen.
Ich sichtete also meinen Vorrat und entschied mich für Beutel, die durch das Lagern schon eine perfekt gerundete Bauchform - Grösse 38/40 - angenommen hatten und führte damit die dreitägige Kältekur durch.
Wenn ich die Geschichte später einmal in meinem Bekanntenkreis zum besten gab - da sehen Sie einmal, welch Konversationsniveau wir hier besitzen - erkundigte sich niemals jemand, mitfühlend oder zwangsmässig, ob die Behandlung geholfen habe, das war allen schnurzegal, aber jedesmal wurde ich spontan gefragt: "Und haben Sie die Pilze hinterher noch gegessen?"
Nur einmal - da unterschied sich ein Frager von der breiten Masse. Der Psychologe weiss ihn bestimmt schnell einzureihen in penetrante Alles-wissen-Woller, Perfektionisten eines vorgegebenen Themas, dumme Frager oder tiefgründige Wissenschaftler. Jedenfalls ging er gezielt auf's Ganze: "Ich würde gerne wissen, Frau Dähncke, welche Pilzarten waren es genau, die Sie als Auflage benutzt haben".
Mischpilze mit Speck und Zwiebeln.