Eile mit Weil (der Pups ist kein Pfeil)

Wissen Sie was AIR-KURIERS ist? Ich wusste es bis dahin nicht. Es ist das Eiligste vom Eiligen, das Sicherste vom Sicheren und so teuer, als flöge es auf einem Einzelsitz in der Ersten Klasse.

Ich sollte eine solche Sendung empfangen. Von meinem Verlag. Korrekturfahnen der Pilzabbildungen für das neueste Buch. Äusserst eilig, äusserster Sicherheit bedürftig. Die ganze Herstellung hing davon ab. Die Sendung war mir telefonisch angekündigt worden, und ich wartete. Vergeblich. Schliesslich beunruhigt und nervös. Drei kostbare Tage vergingen. Der Verlag raufte sich die Haare. Es lag ein Wochenende dazwischen, und so vergingen sogar sieben Tage ohne jegliche Eingangsnachricht oder Zustellung. Man konnte wohl einen Totalverlust annehmen.

Am nächsten Sonntag bekam ich Besuch von einer mir unbekannten spanischen Familie, Vater, Mutter und drei kleine Kinder. Das kommt schon mal vor, dann möchte man meinen schönen Garten ansehen oder Esskastanien sammeln oder die Hunde streicheln. Auch heute bewunderte man ausgiebig die Blumenpracht, und danach rückte der Vater mit der Sprache heraus: "Señora, einer meiner Freunde führt das Büro AIR-KURIERS. Er hat eine Sendung, wahrscheinlich für Sie, aber man konnte Sie nicht finden. Da wir heute hier vorbeikommen, um auf den Grillplatz zu fahren, hat er mir das Paket mitgegeben, damit ich mal hier frage, ob Sie das sind, die es empfangen soll.

Klar war ich das!!! Vermutlich hätte er es auch jedem anderen ausgehändigt, der ‘ja' gesagt hätte. "Und wo ist die wertvolle Sendung jetzt?"

"Draussen auf der Strasse, im Auto" (das natürlich offen war, wie hier üblich).

Ich ging mit. Gemeinsam krochen wir in den Wagen und bewegten Körbe und Plastikbeutel mit Lebensmitteln und Obst, räumten Schüsseln, Töpfe und Pfannen beiseite und einen Sack mit Kartoffeln, dann Spielzeug und Kleidung für die Kinder und einen Karton Windeln für das Kleinste, bis wir endlich auf das gewisse, etwas ramponierte Päckchen stiessen. Doch noch. Von unwiederbringlichem Wert. Brandeilig. Fast ‘zu spät, du rettest den Freund nicht mehr!' Aber in intensiver Nachtarbeit schaffte ich die Arbeit dann doch noch.

Wenn das mein Verlag wüsste, er würde sich im Grabe unmdrehen. Ach nein, er lebt ja noch.